Freunde

Manche suchen ein Leben lang. Andere haben viele. Wieder andere halten an der Vergangenheit fest. Manche finden einfach neue. Laufen ihnen quasi zu. Verabschieden sich wieder. Nie. Schnell. Ohne Wehmut. Ohne ein Gefühl von Verlust.

Wie viele Freunde haben wir?

Nicht jene von Facebook. Oder LinkedIn Kontakte. Oder Instagram Bewunderer. Nicht jene von denen wir uns emotional schon lange verabschiedeten. Nicht jene die uns nur in den Sinn kommen wenn wir sie lesen. Sehen. Hören.

Nicht jene mit denen wir im Sandkasten spielten. Was haben wir denn mit denen heute noch gemeinsam? Die Vergangenheit? Die Erinnerung?

Vielleicht ein Gefühl?

Macht uns das zwangsläufig zu Freunden? Weil wir zusammen die Schulbank drückten? Die gleichen Tests schrieben? Zur gleichen Musik feierten?

Mit diesen Gedanken bin ich meine “Freunde” auf Facebook durchgegangen.

Einmal. Mit wem gehe ich ein Bier trinken?

Zweimal. Wer akzeptiert mich wie ich bin?

Dreimal. Wer ist aufrichtig mir gegenüber?

Und immer wurden es weniger. Viel weniger. Es sind immer noch zu viele.

Eine Trennung auf Raten. Ein schleichender Abschied von all denen die ich nicht losliess. Mich nicht losliessen. Weil sie nicht konnten? Weil ich es nicht wollte?

Die allgegenwärtige Verfügbarkeit persönlicher Information, Bilder, Reisen und Liebesgeschichten suggeriert uns jemanden zu kennen. Kennen zu wollen. Freunde zu sein. Freunde sein zu müssen. Wir stöbern durch digitale Hinterlassenschaft. Sind Voyeure. Interessieren uns. Nur kurz. Können ein Teil des anderen Lebens sein. Ohne Verpflichtung. Bewundern Erreichtes. Trauern über Verlorenes. Sehen nur die Fassade. Nur der Schein. Wer steckt dahinter?

Nur ein Fremder.

Leave a Reply